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Stefan Cernohuby DLK(1) - Aufstand der Betrogenen

Stefan Cernohuby DLK(1) - Aufstand der Betrogenen

Band 1
Artikelnummer:  
783955561406
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Im Jahr 140 Logus ist die Bevölkerung des Mondes auf über 10 Millionen angewachsen. Viele davon sind Flüchtlinge aus den von den Hondh eroberten Regionen der Hegemonie. Doch dieser Krieg ist für die Loganer – die Spitze der Gesellschaft – unbedeutend. Sie haben ihre eigenen Probleme. Es werden Entscheidungen getroffen und umgesetzt. Die Folgen dieser Entscheidungen führen im Jahr 245 Logus zu dem, was in der Geschichte der Menschheit später als Der loganische Krieg bekannt werden soll.

Obwohl er seit fast zehn Zyklen auf diesen Moment gewartet hatte, traf es ihn wie ein Schock.
Mit bloßem Auge war der Punkt am Himmel winzig, kaum zu bemerken.
Er hob den Feldstecher und verfolgte den Weg des Feuerballs durch die äußere Atmosphäre des Mondes.
Ja, zweifellos. Sie waren da.
Raluk wandte sich ab und rannte zum Unterstand seines Kommandanten. Er ließ jegliche militärische Ordnung außer Acht, als er durch die Tür des alten Hauses stürmte.
»Major, Major!«, brüllte er.
Alles drehte sich, als ihm jemand die Beine unter dem Köper wegtrat und er hart auf den Boden prallte. Der unbekannte Angreifer drehte ihm blitzschnell den Arm auf den Rücken und presste ihm ein Messer gegen den Hals. Dann bekam Raluk eine Ohrfeige verpasst.
»Vollidiot«, knurrte Major Pakh Chaser und steckte das Messer weg. »Mach Meldung!« Chaser packte Raluk am Arm und riss ihn hoch.
»Sie sind da«, keuchte Raluk. »Das Shuttle der Spezialeinheit ist auf dem Weg hierher.«
Pakh Chaser verzichtete darauf, sich selbst davon zu überzeugen. Wenngleich Raluk permanent Probleme mit der militärischen Ordnung hatte, so war er doch der zuverlässigste Mann der ganzen Einheit. Deshalb hatte Pakh Chaser ihn für sein eigenes Zweierteam ausgewählt.
»Maximale Deckung. Ich beobachte den Anflugvektor. Informiere du die anderen Trupps.«
Pakh spähte aus dem Fenster, während Raluk die Treppe hinaufstürmte.
Nichts durfte sie verraten. Keine Wärmeaufnahmen, keine Energiesignaturen, keine Funkwellen. Dementsprechend hatten sie sich auf ein einfaches Signal geeinigt.
Sehr einfach.
Raluk eilte zur vernagelten Türöffnung im ersten Stockwerk, die ins Freie führte. Er hob seinen Fuß und trat die roh zusammengenagelten Platten aus der Öffnung. Das Holz zersplitterte. Das Signal war deutlich genug für die anderen Teams.
Sofort rannte er wieder nach unten und nahm neben Major Pakh Chaser Haltung an, beinah militärisch. »Ich habe den Vektor überprüft. Sie landen am Hauptplatz.«
Wortlos zog Raluk sein Messer. Eine tödliche Keramikklinge, um Metallortungsgeräten zu entgehen.
Jetzt hörten sie das Geräusch des Shuttles, das gerade mit vollem Gegenschub zur Landung ansetzte.
Raluk musterte seinen Vorgesetzten, der ihn seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet hatte. Major Pakh Chaser saß da und lauschte. Er hatte ein bitteres, grimmiges Lächeln aufgesetzt, aber es war dennoch zuversichtlich.
Raluk war nicht klar, woher der Major gewusst hatte, dass die Spezialeinheit der loganischen Streitkräfte genau hierher kommen würde und warum er so zuversichtlich war. Bisher hatten die Aufständischen in jeder direkten Auseinandersetzung den Kürzeren gezogen – und das waren nur reguläre Truppen gewesen. Bei den Angreifern handelte es sich diesmal jedoch um die Spezialeinheit.
Allerdings gab es einen Unterschied: Heute würden sie zum ersten Mal zu ihren Bedingungen kämpfen.
Er hielt den Atem an und horchte. Er hörte das Knirschen von Kies. Ein Teil der Angreifer hatte den Weg genommen, der direkt an ihrem Unterschlupf vorbeiführte.
Raluk machte sich bereit. Am liebsten hätte er sich sofort auf die Loganer gestürzt, aber seine eigenen Wünsche waren zweitrangig. Der Major würde den Angriffsbefehl geben.
Und Raluk vertraute dem Major.

***

»Natürlich haben Sie mich noch nie gesehen. Ich bin heute zum ersten Mal hier.« André Gheorghe fixierte den Sicherheitsmann, der ihn geringschätzig musterte.
»Sie haben die Freigabe für die Ebene, Bürger.«
André passierte den Checkpoint. Johanna Marin nahm ihn in Empfang, natürlich. Sie begrüßte ihn mit einem Handschlag, blondierten Haaren und einem falschen Lächeln.
»Gratulation. Jetzt darf ich sie wohl mit Chefanalyst Gheorghe begrüßen.«
Ja, durfte sie. Tat sie nur nicht.
André nickte höflich. Sein ganzes Leben war er trotz seiner Leistungen immer nur Bürger zweiter Klasse gewesen. Er war es gewohnt, seine Emotionen unter Kontrolle zu haben. »Danke«, entgegnete er. »Wohin?«
»Folgen Sie mir bitte. Ihre Beförderung war ein logischer Schritt. Ihre Analysen und logistischen Fähigkeiten waren bei unseren Befriedungseinsätzen auf Saxum eine große Hilfe. Aber jetzt müssen Sie mehr Verantwortung übernehmen.«
Ihre Dienstausweise gaben ihnen den Weg in eine weitere Sicherheitssektion frei.
»Hier, in Sektion Eins werden Analysten direkt in den Extraktionsprozess der Informationen eingebunden. Wir wollen keine Zeit verlieren.«
André verspürte einen Anflug von Unsicherheit, als er auf die fünf Meter breite Scheibe zutrat. Ein Einwegspiegel. Er ließ seinen Blick durch den dahinterliegenden Raum wandern. Kein Wunder, dass man sich über Budgetüberschreitungen beschwerte. Er sah die neuesten chirurgischen Instrumente, eine Sicherheitsdrohne und zumindest drei Ärzte.
Und eine blutverkrustete, nackte Gestalt auf der Liege stöhnte. So wie sie aussah, war das nicht ihre erste Behandlung.
André hörte das Stöhnen, als stünde er direkt neben dem Mann. Hervorragende Mikrofone.
Ein öliges Grinsen erschien auf dem Gesicht von Johanna Marin. »Das ist doch kein Problem für Sie, oder?«
André hatte so lange und so hart dafür gearbeitet, hierher versetzt zu werden, dass er sich nicht von Mitleid oder einem schwachen Magen aufhalten lassen würde. »Nein, kein Problem.«
»Gut, dann verstehen Sie das hier als Aufwärmübung. Es handelt sich um die letzte Sitzung mit dem betreffenden Individuum, von dem wir alle relevanten Informationen bereits erhalten haben. Um deren Extraktion hat sich Ihr Vorgänger bereits gekümmert. Viel Vergnügen.«
Mit grausamer Faszination verfolgte André, wie sich eine ganze Batterie Spritzen in den Arm des Mannes senkte, der sich in seinen Fesseln aufbäumte. Der Gefangene riss die Augen auf, als ein Weißkittel an ihn herantrat, einen Nervenstimulator in der Hand. Die Pupillen des Mannes wirkten unnatürlich klein, als wären sie eine so hohe Lichtintensität nicht gewohnt. Zusammen mit den stark entwickelten Muskeln ließ dies nur einen Schluss zu:
Eine Kreatur, dachte André. Vermutlich ein Minenarbeiter.
Er bemerkte nicht, wie Johanna Marin den Raum verließ, denn in diesem Moment begann die Kreatur zu schreien.

***

Er hetzte hinter dem Major an einer Baracke vorbei. Der Kupfergeschmack in seinem Mund erinnerte ihn an den Gewehrkolben, die letzte Abwehrbewegung eines loganischen Kämpfers, bevor Raluk ihm das Messer in die Kehle gerammt hatte.
Aber auch der Geruch des Blutes an seinen Händen und das erbeutete Gewehr, das er um die Schulter trug, machten ihm klar, dass das hier kein Traum war, und er gerade zum ersten Mal einen Menschen getötet hatte. Aus dem Hinterhalt.
Nochmals würde es nicht so einfach werden.
Als sie um die nächste Hausecke bogen, hörte Raluk Schüsse. Schüsse und Schreie.
Raluk benötigte einen Moment, um sich zu orientieren. Nicht so der Major, der sein ebenfalls erbeutetes Gewehr hochriss und einen loganischen Soldaten mit einer Salve von den Beinen holte.
Raluks Kopf fuhr herum und suchte ein eigenes Ziel. Sein Blick fiel auf einen Loganer, der gerade einer Gestalt, die vor ihm auf dem Boden lag, in den Kopf schoss.
Eine Hinrichtung.
Die langen, roten Haare waren Hinweis genug für Raluk, um wen es sich gehandelt hatte. Diana. Die einzige Frau im Trupp.
Er stürmte auf den Mann zu, den Zeigefinger am Abzug. Die Waffe ruckte und der Rückstoß riss sie Raluk fast aus der Hand. Projektile ließen Erde und Steine davonspritzen. Ein einzelner Schuss traf das Bein des Soldaten. Zwar nahm sein Kampfanzug dem Treffer etwas von seiner Wucht, genügte jedoch, um den Loganer taumeln zu lassen. Da war Raluk bereits heran und rammte ihn aus vollem Lauf. Der Loganer stürzte und überschlug sich. Noch bevor er sich wieder aufrichten konnte, stellte Raluk sein Bein auf die Brust des Loganers. Der blickte auf. Direkt in die Mündung des Gewehrs.
»Kennst du das?«, frage Raluk. Dann drückte er ab.
Chaser packte ihn an der Schulter und riss ihn mit.
»Weiter! Fünf Loganer erledigt, drei von uns verloren. Wir können es schaffen!«
Ja, sie konnten es schaffen. Wenn der Störsender funktionierte. Wenn die Loganer keine Verstärkung bekamen. Und wenn ihre Überzahl von zwei zu eins ausreichte.
Verdammt viele Wenns.

***

Ein Schweißtropfen lief über Andrés Schläfe. Mit einer unwilligen Bewegung wischte er ihn weg. Am Zustand seines Magens änderte das aber gar nichts.
Die Kreatur brüllte unaufhörlich.
»Aufhören! Ich sage euch alles. Aufhören!«
Die Schmerzen mussten unbeschreiblich sein. Eine gefühlte Stunde – vermutlich waren es nur zwanzig Minuten gewesen – hatte der Gefangene standgehalten. Doch die Ärzte hatten ihm keine Pause gegönnt. Medikamente, Schläge und nicht zuletzt der Nervenstimulator hatten seinen Widerstand gebrochen.
Und doch ließen die Verhörexperten nicht locker.
André wandte den Blick ab, als einer der Ärzte den Stimulator auf höchster Stufe auf die Genitalien der Kreatur richtete und ihre Schreie in Kreischen übergingen.
Gerade als André glaubte, sich übergeben zu müssen, wurde es still. Er sah auf.
»Du kennst die Namen der Anführer der Aufständischen.« Eine Feststellung, keine Frage.
Die Stimme klang verzerrt, nicht im Entferntesten menschlich. Psychologie, vermutete André.
Die Kreatur nickte nur und rang um Atem.
»Sag sie uns.«
»Ich kenne nicht alle.« Die Stimme klang verzweifelt, beinahe unterwürfig. »Mickey Jones, der Vorarbeiter der Südminen. Pakh Chaser, der Verbindungsmann. Und Asunción Alonso, das Halbblut. Mehr kenne ich nicht.« Die Kreatur schloss die Augen. Tränen liefen ihr die Wangen hinab.
»Wo ist ihr Versteck?«
Die Kreatur biss die Zähne zusammen und schwieg.
Einer der Verhörexperten rammte ihr den Nervenstimulator in den Solarplexus.
Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder sprechen konnte.
»Sie treffen sich jede Woche einmal.«
»Wo?«
»Im Verwaltungsgebäude einer aufgelassenen Mine, acht Kilometer südlich von Menssana. Immer im Winterzyklus.«
André nickte. Eine gute Idee. Doppelte Nacht zusammen mit dem Winter machten eine Verfolgung schwerer.
»Wer weiß davon?«
»Nur wenige.«
André blickte auf sein Pad und lud sich die Daten über die Extraktion der Kreatur herunter.
Petr Mayhem. Auf Saxum das Aushängeschild der Aufständischen. Führte flammende Reden gegen Logus, die schlechten Arbeitsbedingungen und Unterdrückung. Rief zu offenem Widerstand auf. Extraktion vor gerade einmal 36 Stunden. Man hatte einen Unfall fingiert, es so aussehen lassen, als wäre er von einem Erztransporter überrollt worden. Niemand wusste, dass er hier war.
André blickte die Kreatur an und verspürte Mitleid.
Er hatte nicht mehr zugehört, während er die Unterlagen durchgegangen war. All das, was sie gerade gesagt hatte, war bereits zweimal extrahiert worden. Danach hatte man das Verhör wieder aus ihrem Kopf gelöscht und von vorne begonnen.
Wieder kam André fast die Galle hoch. Dann hörte er die verzerrte Stimme durch den Lautsprecher:
»Aussagen der Kreatur wurden dreimal verifiziert. Subjekt wird nicht länger benötigt. Standardprozedur einleiten.«
Der Arzt mit dem Nervenstimulator nickte und trat an den Gefangenen heran. Er änderte eine Einstellung an seinem Gerät und richtete es nochmals auf dessen Solarplexus. Als die Schreie erneut aufbrandeten, konnte sich André nicht mehr zurückhalten und übergab sich in einen Eimer, der vor dem Fenster stand. Vermutlich mit Absicht.
Als er seinen Mageninhalt vollständig von sich gegeben hatte, war die Kreatur verstummt. Gerade als er aufsah, bemerkte er, wie die Liege mit dem Toten aus dem Raum gefahren wurde. Es wurde Zeit zu gehen.
Die Liege wurde achtlos an die Wand geschoben. Eine Frau sprach in einen Kommunikator. »Müll zum Abholen. Steht in Flur drei.« Dann warf sie ihm einen Blick zu. »Ihr erstes Mal?«
André nickte.
»Geht fast jedem so. Sie können hier ihre erste Kreatur ansehen. Wenn die am Leben sind, möchte ich denen nicht so nah kommen. Der Säuberungstrupp kommt gleich.« Wortlos wandte sie sich ab, tippte etwas in ihr Pad und ging.
André war allein. Nach einem kurzen Zögern trat er an die tote Kreatur heran. Tatsächlich hatte er noch nie einen Bewohner von Saxum aus derartiger Nähe gesehen. Er hatte nur von ihnen gelesen. Die Muskeln wirkten beeindruckend. Verbesserter Knochenbau, die Augen für das Halbdunkel in den Minen optimiert. Aber trotzdem starben sie wie Menschen.
Gedankenverloren fuhr er mit der Hand an der Kante der Liege entlang und stieß dabei gegen das Bein der Kreatur.
Da flatterten die Lider des Mannes und öffneten sich. André sah nur den unendlichen Schmerz in den hasserfüllten Augen.
Bevor er reagieren konnte, packte ihn die Kreatur am Unterarm.

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