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Veronika Bicker DLK(8) - Zwischen allen Fronten

Veronika Bicker DLK(8) - Zwischen allen Fronten

Band 8
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783955561475
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Die Lage auf Saxum spitzt sich zu: Die Loganer haben erneut Fuß auf dem Mond gefasst, die Waffenlieferungen bleiben aus, und Mickey Jones lässt sich nicht mehr blicken. Ein Pakt mit der religiösen Führerin der Kreaturen – Maeve – scheint seinem Vertreter Marshall die einzige Möglichkeit zu sein, die Loganer in Schach zu halten.
Doch die Uneinigkeit zwischen den Kreaturen nimmt stetig zu. Kann sich Marshall gegen die Stimmen derer durchsetzen, die die Auswanderung fordern, und kann er die Gewalt über Saxum zurückgewinnen? Oder wird ihm sein Bündnis mit Maeve zum Verhängnis werden?

Die Stellung vor ihnen lag im Dämmerlicht. Einige große Scheinwerfer waren aufgeflammt. Ihre Strahlen wanderten ziellos durch die Dunkelheit.
Marshall schob sich auf die Anhöhe. Er kniff die Augen zusammen, nahm das Nachtsichtgerät, das ihm jemand reichte, und richtete es auf die Gebäude.
Rasch errichtete Baracken, mehr nicht. Sicherheitsvorkehrungen, kaum der Rede wert. Die Loganer hatte nicht vor, lange zu bleiben. Schon morgen würden sie verschwunden sein. Spätestens übermorgen. Marshall presste das Sichtgerät so fest vor seine Augen, dass die Ränder sich schmerzhaft in seine Haut gruben. Sein Atem ging flach und hastig. Zu hastig. Marshall ließ das Fernglas sinken und zwang sich zur Ruhe.
»Wir sind soweit«, murmelte er. Sein Handlanger hinter ihm nahm die Botschaft bereitwillig auf und gab sie weiter. Er konnte hören, wie sie sich durch die Reihen verbreitete.
Marshall nahm das Pad zur Hand und gab auch den übrigen Gruppen das Startsignal. »Alles wie besprochen«, tippte er.
Er ließ das Pad in die Jackentasche gleiten und richtete sich auf. Ein letztes Mal kontrollierte er den Sitz der Körperpanzerung. Dann ging er los. Zunächst nicht besonders schnell, doch als er den Abhang hinter sich gelassen hatte, wurden seine Schritte größer. Hinter sich hörte er seine Männer. Ihre Stiefel kratzten über den Steinboden, knirschten über den Schotter. Es machte nichts aus. Ihr Ziel war nicht, leise zu sein. Schnelligkeit war wichtiger.
Schemenhaft konnte er eine der anderen Gruppen links von sich entdecken. Marshall wünschte sich, er hätte ein vernünftiges Funkgerät. So musste er sich darauf verlassen, dass alle wussten, was zu tun war.
Sie erreichten den ersten Wegpunkt. Einige große Felsen boten genug Deckung. Marshall duckte sich dahinter und warf einen Blick zu den Baracken. Noch immer kreisten die Scheinwerfer ziellos.
Marshall winkte die Männer heran, die das schwere Geschütz zwischen sich trugen. Schweigend kauerten sie sich neben ihn und begannen, die Waffe aufzubauen. Hinter ihnen hockten die restlichen Kreaturen, teils blass und nervös, doch zum größten Teil konnte Marshall in ihren Augen eifrige Anspannung sehen. Er bedeutete zwei Männern, bei der Stellung zu bleiben, dann ging es weiter.
Sie waren keine zehn Schritte weit gekommen, als die Sirene losheulte. Einen Augenblick lang durchzuckten Scheinwerfer hektisch die Nacht, dann richtete sich alle auf eine Stelle.
Nicht auf seine Gruppe.
Es war die Einsatztruppe rechts von Marshall, die die Aufmerksamkeit der Loganer auf sich gezogen hatte. Die Lichtkegel durchschnitten die Dämmerung, und die Umrisse von einem halben Dutzend Gestalten zeichnete sich vor dem staubgrauen Fels ab. Die ersten Projektile schlugen in den Boden ein. Weitere fanden ihr Ziel. Zwei der Gestalten taumelten und stürzten.
»Schnell jetzt!« Marshall steigerte sein Tempo. Die Loganer waren abgelenkt. Die Gelegenheit wollte genutzt werden.
In kürzester Zeit überwanden sie die restliche Entfernung zu den Baracken. Ein Drahtzaun versperrte ihnen den Zugang zum Gelände, vermutlich elektrisch gesichert und mit einer Selbstschussanlage verbunden, doch Marshall hatte damit gerechnet. Er zog den Unterbrecher aus der Tasche und ließ ihn über dem Draht zuschnappen. Eine Schrecksekunde lang rechnete er damit, dass ein zweiter Alarm losheulte, doch alles blieb ruhig. Mit raschen Handbewegungen vergrößerte Marshall die Öffnung im Zaun und winkte seine Männer hindurch.
Dann waren sie drin. Aus einem der Gebäude vor ihnen strömten die ersten loganischen Soldaten. Marshall ließ sich auf die Knie sinken, zielte, feuerte. Seine Männer taten es ihm gleich. Eine ganze Reihe Loganer stürzte zu Boden. Über ihnen heulte noch immer ohrenbetäubend die Sirene.
»Vorwärts«, schrie Marshall über den allgemeinen Lärm in Richtung seiner Männer. In diesem Moment begann das schwere Geschütz zu feuern.
Was danach geschah, konnte Marshall später nicht mehr genau sagen. Es war, als wäre seine Wahrnehmung auf einige wenige Augenblicke zusammengeschrumpft, aus der Dunkelheit gerissen wie von einem Blitzlicht. Er sah die Soldaten vor sich, wie sie in Stellung gingen. Er sah links und rechts von sich seine Männer zu Boden stürzen. Etwas Großes traf eine der Baracken und setzte sie in Brand. Rotes Licht ließ den Hof wirken wie in Blut getaucht. Irgendwann kreiste über ihnen ein Gleiter, doch kurz darauf löste er sich in einen riesigen gelbweißen Feuerball auf. Marshall musste ständig blinzeln, weil Rauch in seine Augen drang. Die Helligkeit war unerträglich. Er hatte das Gefühl zu ersticken.
Doch er rannte weiter. Immer vorwärts. Für Saxum, für die Kreaturen. Für die Unabhängigkeit. Er würde es den Bastarden zeigen.
Irgendwann befand er sich in einem der Innenräume, schoss dort wild um sich, sah die Gestalten zu Boden stürzen. Etwas Heißes schrammte an seiner Schulter vorbei, es fühlte sich an wie ein Feuerstrahl. Marshall achtete nicht darauf. Weiter, nur weiter.
Jemand packte ihn an der Schulter. Marshall fuhr herum, hätte beinahe geschossen und erkannte im letzten Moment einen seiner Männer.
»Sie bekommen Verstärkung«, schrie der Mann. »Wir müssen verschwinden!«
Marshall wollte nicht wahrhaben, was der Mann sagte. Er wollte weiterkämpfen. Immer weiter. Nur weiter.
Doch nach einer Sekunde siegte die Vernunft. Er konnte nicht alles aufs Spiel setzen.
»Rückzug!«, schrie er, bevor er wieder losrannte.


***

»Verflucht kalt hier.« Der Junge zog seine Jacke enger um sich und sah sich um. »Sind das etwa alle?«
Kayleb verzichtete darauf, die Frage zu beantworten. Er zog den Jungen in die Lagerhalle und schob ihn unsanft in Richtung der Feuerstelle. Seit gestern Abend hatten sie keinen Strom mehr, also hatten auch die Heizungen den Geist aufgegeben. Die große Halle war dann schnell ausgekühlt.
»Es werden mehr werden.« Kayleb sagte es mehr zu sich. Der Junge hörte schon gar nicht mehr zu.
Kayleb blieb an der halbgeöffneten Tür stehen und spähte ins Dämmerlicht. Hatte es nur der Junge hierhergeschafft? Oder wollte sonst keiner seinem Aufruf folgen? Er warf einen Blick über die Schulter auf den kläglichen Haufen Kreaturen um das Feuer. Er wagte nicht einmal, durchzuzählen, doch viel mehr als zwanzig konnten es nicht sein. Zu wenig, um irgendetwas zu erreichen. Und wenn er nicht in allernächster Zeit etwas zustande brachte, würde ihm selbst dieser kleine Rest noch davonlaufen.
»Wir müssen etwas unternehmen.« Wieder sprach er mit sich selbst. Es gab sonst niemanden, mit dem er seine Gedanken teilen konnte. Er vermisste Neera. Bei ihr waren oft nicht einmal Worte notwendig gewesen. Und auch, wenn sie sich im Streit getrennt hatten, jetzt wäre er dankbar für ihre Gegenwart gewesen.
Aber die verdammten Loganer hatten sie ihm genommen.
Unvermittelt spürte Kayleb Ärger in sich aufsteigen.
»Wir müssen etwas unternehmen!«
Dieses Mal sagte er es so laut, dass es bis zum Feuer zu hören war. Er ballte die Rechte zur Faust und schlug damit gegen das Tor der Lagerhalle. Ein dumpfer Ton dröhnte durch den Raum.
Als Kayleb sich umdrehte, konnte er nur blasse, verängstigte Gesichter sehen, die sich ihm zugewandt hatten. Ein Haufen Kaninchen, mehr nicht. Keine echten Kämpfer.
Aber verdammt, dann würde er sie zu Kämpfern machen. Er konnte nicht hier stehen, und darauf warten, dass Neera wieder die Leitung übernahm, denn Neera würde nicht mehr zurückkommen. Was diese Leute hier brauchten, war ein Anführer.
Kayleb ließ die Tür zur Lagerhalle zufallen und stapfte in Richtung Feuer. »Was brauchen wir?«, fragte er laut in die Runde. »Was brauchen wir, um von diesem Felsbrocken zu verschwinden?«
Keine Antwort. Nur große Augen. Halblautes Gemurmel.
»Was brauchen wir?«, wiederholte er. Lauter. Fordernder. Es musste doch etwas aus diesen Leuten herauszuholen sein.
Der Junge hob zögernd die Hand. Als wären sie hier in der Schule. »Ein Raumschiff?« Fast eine Frage. Verunsichert.
»Richtig. Ein Schiff. Und außerdem Vorräte, Kleidung, Werkzeuge, Waffen. Wenn wir von hier weg wollen, müssen wir uns ausrüsten.« Keine besondere Enthüllung, aber Kayleb legte so viel Kraft in seine Stimme, dass es klang, als verriete er seinem Publikum etwas vollkommen Neues. »Und woher bekommen wir das alles?« Wie ein strenger Lehrer sah er auf die klägliche Ansammlung von Rebellen hinunter.
»Von den Loganern?«, wollte eine junge Frau wissen.
»Richtig«, stimmte der Mann neben ihr zu. Etwas in Kaylebs Rede musste ihn angesprochen haben. In seine ängstlichen Augen war jetzt so etwas wie ein Funkeln getreten, und seine Wangen glühten. »Wir holen uns einfach, was wir brauchen. Und verdammt seien die Loganer, die versuchen, uns aufzuhalten.« Seine Stimme war immer lauter geworden, und jetzt stand er tatsächlich auf. Er sah aus, als wolle er eine Rede halten, doch er trat lediglich an Kayleb heran und legte ihm die Hand auf die Schulter. »Ich bin bei dir, Junge.«
Kayleb mochte es nicht besonders, von dem Kerl Junge, genannt zu werden, doch das ließ er sich nicht anmerken. Ein Anführer sein. Immer.
»Morgen schon machen wir ernst«, rief er viel lauter, als es nötig war. »Morgen holen wir uns, was uns zusteht.«
Ein paar der Versammelten applaudierten tatsächlich. Andere sahen immer noch ängstlich drein. Zwei starrten Kayleb an, als sei er verrückt geworden.
»Hast du einen Plan, wie wir das anstellen sollen?« Die kritische Stimme kam von einem Mädchen, kaum älter als fünfzehn.
»Natürlich!« Kayleb lächelte überlegen, während sich in seinem Kopf die Gedanken überschlugen. Er hatte Versprechungen gemacht, jetzt musste er auch liefern. »Der Frachthafen ist hier ganz in der Nähe«, begann er. »Natürlich ist er bewacht, aber lange nicht so gut wie der Militärhafen. Und brauchen wir ein Militärschiff?« Er hatte seine Stimme wieder erhoben, und von einigen kamen verneinende Antworten. Das Mädchen sah immer noch skeptisch aus.
»Ich weiß, wie wir in den Raumhafen hineinkommen«, behauptete Kayleb. »Morgen werdet ihr es erleben. Und wenn wir erst mal drin sind, dann ist es kein Problem mehr, ein Schiff zu besorgen.«
Der Mann neben Kayleb stieß einen Begeisterungsruf aus. Nach und nach stimmten die meisten der Versammelten ein. Das Mädchen wandte sich halb ab und zuckte mit den Schultern.
Zufrieden ging Kayleb zurück zur Tür. Er würde Ausschau halten, ob doch noch jemand kam. Er musste sich schnell einen Plan einfallen lassen, wie sie in den Raumhafen hineinkämen.

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