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Stefan Cernohuby DLK(9) - Tabula rasa

Stefan Cernohuby DLK(9) - Tabula rasa

Band 9
Artikelnummer:  
783955561482
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Die Militärmaschinerie der Loganer ist angelaufen. Es ist eine Zeit für Helden, aber auch eine Zeit voller Terror und Verzweiflung, in der politische Systeme stürzen und der Ruf nach Stärke oft lauter ist als die Stimme jener, die an die Vernunft in den Menschen appellieren.

Zwar haben die Kreaturen auf Saxum noch ein Ass im Ärmel, damit lässt sich jedoch nur eine Schlacht gewinnen, nicht der ganze Krieg. Doch André Gheorghe, loganischer Überläufer, hat noch eine Option. Er verfolgt einen Plan, der die Karten neu verteilen soll: Tabula Rasa.

Die letzte Sicherheitstür öffnete sich mit einem Zischen vor Kybele Jarill. Dann befand sie sich wieder einmal in der Abteilung für besondere Härtefälle.

»Bringt Sie ins Verhörzimmer«, wies sie den diensthabenden Wachmann an.

Der stellte keine Fragen und machte sich auf den Weg.

Kybele Jarill, Institutsleiterin von DiCasia und ehemalige erste Rätin, nahm am Verhörtisch Platz und wartete.

Dann öffnete sich die Tür und Johanna Marin betrat den Raum, eskortiert von zwei Wachen.

»Nehmen Sie Platz«, wies Kybele Jarill sie an. »Und Sie beide verlassen den Raum. Wir kommen allein zurecht.«

Die Wachen wussten, mit wem sie zu tun hatten, und protestierten nicht.

»Ich sehe, Sie sind bei bester Gesundheit«, eröffnete Jarill das Gespräch.

»Wenn Sie die Tatsache, dass die Hälfte meines Gehirns durch ein krudes Implantat ersetzt wurde und ich mehrere Monate gebraucht habe, bis ich wieder gehen und sprechen konnte, ignorieren wollen, dann ja.«

»Sie wissen gar nicht, welchen Schaden Sie angerichtet haben. Sie und André Gheorghe. Eigentlich könnte ich Ihnen die gesamte Schuld anlasten: dass wir nicht mehr den ersten Rat stellen. Dass die von Ihnen geplanten Operationen bekannt geworden sind und nicht zuletzt, dass André Mayhems Erinnerungen verteilt und den Kreaturen das Omega-Protokoll verraten hat.«

»Das heißt, sie können mich für meine persönlichen Verfehlungen und die Verantwortlichkeit für meine Schutzbefohlenen nicht einmal zum Tode verurteilen, sondern fünfzehn Mal. Gratulation!«

»Darüber hinaus sind Sie unverschämt, aggressiv und wollen immer das letzte Wort haben. Ich habe keine Ahnung, wie Sie Ihren Posten überhaupt bekommen haben.«

»Durch harte Arbeit und fachlicher Kompetenz. Das sollten Sie auch einmal versuchen.«

»Tatsache ist, dass auch für mich selbst die letzten Monate nicht so leicht waren. Mein Assistent Björn war immer eine Nervensäge, aber zumindest hat er das gemacht, was man ihm gesagt hat. Leider ist nichts Besseres nachgekommen. Alles Versager.«

»Ich bin untröstlich. Brauchen Sie eine Schulter zum Ausweinen?«

Kybele Jarill legte ihre Handflächen aneinander und fixierte Johanna Marin mit kaltem Blick.

»Tatsächlich bin ich gekommen, um eine unerledigte Angelegenheit zu beenden. Wissen Sie, wir haben Ihren Verrat damals nicht publik gemacht. Als Sie so plötzlich von der Bildfläche verschwunden sind, haben wir nach außen kommuniziert, dass sie durch die Fehlfunktion eines Implantats einen Gehirnschlag erlitten haben und intensiv betreut werden.«

»Gehirnschlag. Ja, so kann man das auch nennen. Das heißt, Sie sind hier, um das Kapitel Johanna Marin endgültig abzuschließen?«

»Korrekt. Ich stehe aktuell vor einer schwierigen Situation. Natürlich könnte ich Sie an den Spätfolgen Ihres defekten Implantats versterben lassen. Oder ich könnte aufdecken, dass Sie ein doppeltes Spiel gespielt haben. Aber ich glaube, beide Lösungen wären den vorangegangenen Ereignissen und der Schwere Ihrer Vergehen nicht angemessen.«

Kybele griff in ihre Tasche, während Marin verärgert antwortete.

»Wollen Sie mich vielleicht mit Pathos umbringen? Bringen Sie es doch endlich hinter sich!«

Marin zuckte zusammen, als Kybele Jarills Hand auf den Stahltisch knallte. Sie musterte verwirrt das Blatt Papier, das darunter lag.

Kybele schob es ihr zu und legte einen Stift daneben.

Johanna Marin zog das Papier zu sich und las den Text. Und sie las ihn ein zweites Mal. Dann blickte Sie auf, mit komplett verwirrtem Gesichtsausdruck.

»Sie sind hier, um mir einen Job anzubieten?«, fragte Johanna Marin.

»Ja, außer Sie haben im Moment bessere Angebote.«

***

Krauss zuckte angesichts des lauten Jubels zusammen, der ihm entgegenschallte, als er die Station durch die Luftschleuse betrat. Als sich die Situation etwas beruhigt hatte, rief er: »Was ist hier eigentlich los? Ich will einen Bericht!«

»Sir, den sollen sie haben«, entgegnete ein Soldat. Murray, wie Krauss feststellte. »Aber zuerst müssen Sie wissen, dass wir Sie und Ihre Schiffe sehnlichst erwartet haben. Die Situation ist komplett eskaliert.«

»In dieser kurzen Zeit? Verrückt. Stellen Sie sicher, dass unser Berater es unversehrt in die Kommandozentrale schafft, dann brauchen wir alle Informationen, die wir bekommen können.«

»Zuerst möchte ich kurz zusammenfassen, wie unsere Mission abgelaufen ist. Wir haben mit der Ducky One einen Transporter zu unseren Geschäftspartnern vom Scorinno-Syndikat eskortiert. Dort wurden wir aufgehalten. Unser Chefunterhändler hat seine ganze Erfahrung in die Waagschale geworfen und unser Schiff musste einmal seine Waffen- und Zielsuchsysteme aktivieren, um unseren Worten ein wenig mehr Nachdruck zu verleihen. Am Schluss haben wir fast alle Waren erhalten, inklusive der schnellen Ein-Mann-Jäger.«

André Gheorghe, den Krauss als Chefunterhändler bezeichnet hatte, nickte nur. Er wirkte müde und ausgezehrt.

Krauss sprach weiter. »Man hat wirklich alle Register gezogen, um uns übers Ohr zu hauen. Aber letztendlich haben wir es geschafft und sind zurück. Was ist hier passiert, Soldat? Hier und auf Saxum.«

Murray räusperte sich nervös und blickte zu Evan. Die beiden hatten schon bei der Eroberung der Raumstation zusammengearbeitet. »Es hat gleich nach Ihrer Abreise begonnen, Sir. Die Loganer haben uns genau beobachtet. Als die Ducky One unterwegs war, haben sie mehrere Trupps in Landungsschiffen geschickt und sind von allen Seiten gekommen. Wir haben zwar ein paar von ihnen mit unseren Shuttles und Geschützen zerstören können, aber die anderen sind durchgekommen. Die Raumstation haben sie wohl verschont, weil sie wissen, dass wir sie eher hochjagen würden, als sie Logus wieder zu überlassen.«

»Soll das heißen, es gibt Brückenköpfe der Loganer auf Saxum? Militärstützpunkte?«

»Ja, Sir«, antwortete Evan. »Es gab fünf an der Zahl. Einen haben wir gleich zu Beginn zerstört. Gestern hat Marshall nach einer versuchten Raumschiffentführung den größten eingenommen, den alten loganischen Frachtraumhafen. Aber an allen Stützpunkten sonst gibt es Belagerungen, Grabenkämpfe und viele Verluste auf beiden Seiten. Und wir glauben, dass das nur die Vorbereitung für einen weiteren Militärschlag ist. Sie sind gerade im richtigen Augenblick zurückgekehrt.«

Krauss nickte.

»Das ist wahr. Und wir haben das richtige Mittel dabei, um die Brückenköpfe der Loganer auszuheben. Nicht wahr André?«

Der loganische Bürger wirkte noch niedergeschlagener und erschöpfter als zuvor, als er zu Krauss aufblickte.

»Aber nicht ohne vorherige Warnung. Wir müssen ihnen zumindest die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen. Das haben Sie mir versprochen, Krauss!«

»Und ich stehe zu meinem Wort. Sie werden ihre Chance erhalten. Falls sie sie nicht nutzen …«

»Werden sie brennen«, vollendete André den Satz.

***

»Sir, gute Nachrichten!«

Ungläubig blickte sich Pike Marshall, seines Zeichens kommandierender Offizier aller kämpfenden Truppen von Saxum um.

Gute Nachrichten hatte es schon eine ganze Weile nicht mehr gegeben.

»Sie sind zurück. Krauss und die Ducky One

Marshall erlaubte sich nur einen kurzen Moment der Freude.

»Das bedeutet noch gar nichts. Wir wissen nicht, was sie erreicht haben. Und mit nur einem Schiff haben wir noch keinen Krieg gewonnen. Haben Sie sie in der Leitung?«

»Nein Sir«, erwiderte Wash. »Aber Sie haben um umgehende Rückmeldung gebeten. Captain Krauss und André Gheorghe.«

Marshall stand auf, trat an das nächste Terminal heran und warf Wash einen schnellen Seitenblick zu. Der Korporal hatte bei einem Attentat auf Gheorghe fast sein Leben verloren und lange gebraucht, bis er sich wieder erholt hatte.

»Major Marshall hier. Bitte kommen.«

Die Gesichter von Krauss und Gheorghe füllten den Bildschirm und Krauss sprach.

»Schön Sie wohlauf zu sehen, Pike. Wir sind zurück und waren erfolgreich. Wir müssen umgehend eine Lagebesprechung abhalten. Wir treffen uns in einer Stunde im Hauptquartier. Und sammeln Sie Jones ein, den haben wir nicht erreicht.«

»Alles klar, Sir.«

Dann war die Verbindung wieder beendet.

Marshall seufzte. Er hatte schon einen Verdacht, warum Mickey Jones sich nicht gemeldet hatte. Das würde kein Spaß werden.

»Sie sind sicher, dass es kein Versuch der Loganer war, mich mit der Nachrichtenübertragung zu töten?«

Der riesige Jones klang gleichzeitig ängstlich, wütend und ein wenig betrunken.

»Nein, das war wirklich Krauss. Er und Gheorghe sind von den Verhandlungen zurück und haben offenbar den Nachschub mit dabei.«

»Gheorghe!«, brüllte Jones los. »Dieser verdammte Loganer! Logus ist schuld an allem, was passiert ist und er ist die Wurzel allen Übels!«

»Nein, Mickey«, versuchte Marshall ihn zu beschwichtigen. »Er hat uns die Pläne der Loganer und deren genetische Veränderungen an unserem Volk verraten. Und er hat uns bei den Verhandlungen mit den Waffenhändlern unterstützt. Er ist ganz bestimmt nicht der Schuldige.«

»Aber er spielt sicher ein doppeltes Spiel! Er wartet nur auf den richtigen Moment und dann verrät er uns. Wir dürfen ihm nicht trauen, Pike. Das dürfen wir nicht!«

Er fasste Marshall an die Schulter, aber wohl eher, um sich aufrecht zu halten, als um seine Kameradschaft zum Ausdruck zu bringen. Offenbar hatte er die Whisky-Vorräte der loganischen Vorbesitzer seines Appartements stark dezimiert.

Marshall verzog das Gesicht. Er hatte sich geirrt. Es war viel schlimmer als erwartet. Für manche würde die heutige Lagebesprechung ein Desaster werden.

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